Allgemein

Wie wir uns unbewusst vor Ablehnung schützen.

Wenn wir in einer Gesellschaft aufwachsen und massive Ablehnungserfahrungen, aufgrund unseres “anders sein“ machen, dann prägt uns das.

Diese Lebenserfahrungen hinterlassen in uns eine tiefe Verletzung.

Um diese Verletzung nicht zu fühlen, unterdrücken wir den Schmerz und entwickeln ein Schutzverhalten.

Dieses Schutzverhalten hat die Aufgabe unsere Beziehung zur Gesellschaft zu regulieren und uns vor Schmerz zu schützen.

Das Schutzverhalten wird immer dann aktiviert, wenn wir uns in einer Umgebung oder Situation befinden, in der eine potenzielle Gefahr besteht, abgelehnt zu werden.

In solchen Situationen fühlen wir uns nicht sicher und haben Angst davor, dass unsere Abgelehnt-Wunde wieder aufgerissen wird.

Dass der verdrängte Schmerz wieder auftaucht und uns überflutet.

Je massiver die Erfahrungen in unserem Leben waren, desto  ausgeprägt ist unser Schutzverhalten.

Im Laufe meines Lebens habe ich drei Kategorien von Schutzverhalten beobachtet.

Erste Kategorie: Selbstverleugnung

Menschen die sich unsichtbar machen wollen.

  • „Wenn man mir mein “anders sein“ nicht ansieht, bin ich sicher.
  • Ich möchte dazu gehören.
  • Ich möchte akzeptiert werden.
  • Dafür ist mir kein Preis zu hoch.
  • Wenn ich alles, was an mir als „anders“ wahrgenommen wird, selbst ablehne, dann werde ich nicht mehr verletzt.
  • Ich biete keine Angriffsfläche mehr.
  • Sehe ich Menschen, die mich an mein “anders sein“ erinnern, möchte ich mit diesen nichts zu tun haben.
  • Ich lehne sie ab und verhalte mich herablassend (wenn auch nur in Gedanken).
  • Benehmen sich diese Menschen so, dass sie eine Angriffsfläche für Ablehnung bieten, schäme ich für diese fremd.“

Zweite Kategorie: Selbstausgrenzung

Menschen die ihr “anders sein“ stark betonen um sich von der Gesellschaft bewusst abzugrenzen.

  • „Ich lehne euch ab, bevor ihr mich ablehnen könnt.
  • Ich habe verstanden, dass ich in dieser Gesellschaft niemals dazugehören werde.
  • Deshalb möchte ich auch gar nicht mehr dazugehören.
  • Der Preis den ihr verlangt ist zu hoch.
  • Ich bin nicht bereit mich selbst zu verleugnen.
  • Ich umgebe mich nur noch mit Menschen, die so sind wie ich. Da gehöre ich dazu. Da bin ich sicher.
  • Ich identifiziere mich stark über mein “anders sein“.
  • Jetzt erst recht. Das habt ihr davon.
  • Menschen, die das nicht verstanden haben, machen sich etwas vor.“

Dritte Kategorie: Selbstausbeutung

Menschen die mit ihrem “anders sein“ in dieser Gesellschaft leben möchten, aber bemerken, dass diese Gesellschaft nicht auf sie vorbereitet ist. Sie überschreiten ständig ihre Grenzen, um diesen Zustand zu verändern.

Diese Menschen bewegen sich zwischen den erstgenannten Extrempolen hin und her.

  • „Ich möchte dazugehören.
  • Ich möchte angenommen werden.
  • Aber mit meinem „anders sein“.
  • Deshalb strenge ich mich an und mache es der Gesellschaft leicht mich zu mögen.
  • Ich bilde mich.
  • Ich beweise mich. Ich strenge mich an.
  • Ich spreche akzentfrei deutsch.
  • Ich kämpfe gegen Ungleichheit.
  • Ich nehme mich und meine Bedürfnisse zurück, um nicht anzuecken.
  • Oft überkommen mich Zweifel, ob meine Anstrengungen sich lohnen.
  • Vielleicht haben die Menschen recht, die behaupten, dass ich niemals dazugehören werde.
  • Bei zu großer Frustration möchte ich nur unter meinesgleichen sein.
  • Lasst mich einfach alle in Ruhe.“

Dieses Schutzverhalten ist wie ein Programm in unserem Gehirn abgespeichert.  

Wenn das Programme läuft:

  • Dann sind wir immer reaktiv. Wir reagieren in einer aktuellen Situation mit den Mitteln, die wir aus vergangenen Situationen kennen.
  • Dann schauen wir mit der Brille der Gesellschaft auf uns. Aus diesem Blick bewerten wir uns, unser Verhalten und zensieren uns selbst.
  • Dann trennen wir die Verbindung zu unseren Gefühlen und Bedürfnissen.
  • Dann ist unsere Aufmerksamkeit nur noch im außen.
  • Dann leben wir in einem Überlebensprogramm.
  • Dann sind wir fremdbestimmt.

Unser Schutzverhalten schützt uns vor Verletzungen, hindert uns aber stark in unserer persönlichen Entwicklung.

Wenn wir es schaffen, uns in uns sicher zu fühlen, können wir aus dem Überlebensprogramm aussteigen.

Dann finden wir den Halt, den wir im außen suchen, in uns selbst.

Dann sind wir uns selbst die Heimat, die wir im außen gesucht haben. Da gehören wir hin.

Wir öffnen unser Herz für uns.

Wir lernen den Schmerz in uns auszuhalten und zu fühlen.

Dann können wir unser Schutzverhalten immer mehr ablegen.

Dann können wir erleben, dass eine Welt hinter der Angst existiert.

Und diese Welt wartet auf dich und mich.

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